publiziert
am 1. Oktober 2003
Experten warnen vor Nebenwirkungen
- Für Prävention und Therapie der Volkskrankeit
Osteoporose ist die
Hormon-Ersatz-Therapie nicht zu empfehlen, warnt das Zentrum
für Muskel-
und Knochenforschung der Berliner Charité.
Über Jahrzehnte galten unerschütterlich die Thesen,
Sexualhormone seien
nicht nur gut gegen Wechseljahresbeschwerden, sondern verringerten
auch
das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Darüber hinaus
könne der
postmenopausalen Osteoporose vorgebeugt bzw. therapiert werden.
Das
erhöhte Brustkrebsrisiko bei langjähriger Hormongabe
gegen Osteoporose
werde durch die geringeren Risiken für kardiovaskuläre
Erkrankungen
aufgewogen. Die so genannte WHI-Studie in den USA, die wegen
zu hoher
Risiken für die Probandinnen vorzeitig im Juli 2002 abgebrochen
wurde,
lieferte der erstaunten Fachwelt jedoch neue Fakten, die zum
Umdenken
zwingen. Die bisherigen Vorteile einer Hormon-Ersatz-Therapie
zur
Prävention und Behandlung der Osteoporose verkehren sich
in Nachteile.
Eine langjährige Hormongabe zur Verhinderung von Knochenschwund
ist
daher nicht mehr zu rechtfertigen.
Fakt ist, eine Hormon-Ersatz-Therapie kann bei postmenopausalen
Frauen
den Knochenschwund nachweisbar bremsen. Nur steht diesem therapeutischen
Nutzen ein unverhältnismäßig großes
Risiko gegenüber. Dies belegt in
eindringlicher Weise auch die im August d.J. publizierte 'Million
Women
Study', eine riesige Beobachtungsstudie in Groß Britannien,
in die über
eine Millionen Million Frauen im Alter zwischen 50 und 64
Jahren
einbezogen waren. Demnach sind in den letzten zehn Jahren
etwa 20.000
britische Frauen an Brustkrebs erkrankt - weil sie Hormone
nahmen.
Um jedoch fünf Osteoporose bedingte Frakturen pro Jahr
zu verhindern,
müsste 10.000 Frauen während eines Jahres Hormone
verabreicht werden.
Darüber hinaus hilft eine Hormon-Ersatz-Medikation gegen
Osteoporose nur
so lange wie sie eingesetzt wird. Wenn sich also eine Frau
in bzw. nach
den Wechseljahren für den Rest ihres Lebens mit Hormonen
vor
Knochenschwund schützen wollte, müsste sie während
ihrer gesamten
verbleibenden Lebenszeit welche einnehmen.
Fazit: Wegen intolerabelen Risiken wie Brustkrebs, Herzinfarkt,
Schlaganfall und Thrombose sind bei Osteoporose andere
Therapiestrategien dringend angeraten. Inzwischen stehen für
die
medikamentöse Behandlung von Osteoporose hochwirksame
Substanzen
(Bisphosphonate der neueren Generation und SERMs) zur Verfügung,
die den
postmenopausalen Knochenschwund sehr wirksam bekämpfen.
Frauen, die einer medikamentösen Osteoporose-Therapie
bedürfen, sollten
mit ihrem Arzt besprechen, ob in ihrem individuellen Fall
eine
Hormontherapie unbedingt von Nöten ist oder ob die Behandlung
mit
weniger Risiko behafteten Medikamenten vorzuziehen ist.
Linktipp: Für Rückfragen :
Zentrum für Muskel- und Knochenforschung
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Mail renate.bowitz@medizin.fu-berlin.de
http://www.medizin.fu-berlin.de/zmk/pressemitteilung.htm