Pressedienst Berufsverband der Frauenärzte
Zum Welt-Osteoporose-Tag am 20.10.2009 -
Mit Schwung gegen Osteoporose
Patienten mit Osteoporose sind nach
einer aktuellen Studie der International Osteoporosis Foundation (IOF) / Nyon
„schlecht informiert“. Ein Drittel aller untersuchten Patienten konnten keine
Osteoporose-Risiken wie Kalzium- und Vitamin D-Mangel nennen. Daher ist nach
Expertenmeinung die Aufklärung dringend notwendig. Unter den zehn Krankheiten,
gegen die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) am dringlichsten vorzugehen
ist, wird wohl die Osteoporose am meisten unterschätzt. Dabei sterben jedes Jahr
allein in Deutschland mindestens ebenso viele Betroffene in Folge einer
osteoporose-bedingten Hüftfraktur wie Frauen an Brustkrebs.
Was bedeuten die nackten
Zahlen?
Hochrechnungen ergaben, dass 7,8 Millionen
Menschen in Deutschland an einer Osteoporose leiden. Bei jedem fünften Patienten
handelt es sich um einen Mann, das heißt: Frauen sind deutlich stärker
betroffen. Auf der Basis von Abrechnungen einer gesetzlichen
Krankenversicherung, Daten des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche
Versorgung und Zahlen des Medizinischen Dienstes ergaben Hochrechnungen aus dem
Jahre 2003, dass 333.000 Osteoporose-Patienten eine Fraktur erlitten. Bei knapp
150.000 Betroffenen kam es zu hüftgelenknahen Brüchen, 42.000 waren Handgelenks-
und rund 41.000 Wirbelfrakturen.
Knochenbrüche treiben die
Kosten in die Höhe
Nach statistischen Erhebungen 2003 wurden 5,4
Milliarden Euro von den Kranken- und Pflegekassen für Osteoporose ausgegeben.
Davon entfielen allein 56% = rund 3 Milliarden Euro für stationäre Therapien.
Das bedeutet: Für Patienten mit Frakturen müssen pro Jahr rund 10.000 Euro
aufgebracht werden, während eine Osteoporosebehandlung ohne Knochenbrüche etwa
280 Euro jährlich kostet. Eingeschränkte Beweglichkeit, körperliche Behinderung
sowie neurologische Folgeerkrankungen belasten die Lebensqualität deutlich.
Durch frühzeitige und konsequente Einhaltung der drei Säulen der
Knochengesundheit wäre dem Krankheitsbild Osteoporose Paroli zu bieten. Es
handelt sich um Ernährung, Bewegung und medikamentöse Optionen. Da Patienten
jedoch häufig nur mangelhaft informiert sind, wird die Osteoporose nicht optimal
behandelt. Dies führt zu einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen. 30% dieser
Patienten werden danach hilfsbedürftig, 20% pflegebedürftig und etwa 15-20% der
Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach Schenkelhalsfrakturen. In Europa
erleiden 611.000 Frauen und 179.000 Männer pro Jahr eine Hüftfraktur, deren
vorläufige Kosten für die Behandlung 25 Milliarden Euro betragen. Eine Schweizer
Studie ergab, dass die Kosten der stationären Behandlung von
Osteoporose-Patientinnen höher waren als für Schlaganfall, Brustkrebs und
Herzinfarkt zusammen.
Frauen sind besonders
gefährdet
Osteoporose beruht auf verschiedenen Ursachen. Dazu zählen die Ernährung, der
Lebensstil, der Hormonmangel, internistische Erkrankungen und erbbedingte
Veranlagungen. Ein besonders hohes Risiko haben Frauen während und nach den
Wechseljahren, da die Knochenmasse auf Grund des Östrogenmangels in diesem
Zeitraum rasch abnimmt. Das Knochengewebe kann sich in den ersten fünf Jahren
nach der Menopause um 10-15% verringern. Dies geschieht weitgehend unauffällig,
bis sich z.B. quälende Rückenschmerzen bemerkbar machen, die auf einen
gebrochenen Wirbel hinweisen. Es kann Jahre dauern, bis eine fortgeschrittene
Osteoporose diagnostiziert wird. Die postmenopausale Osteoporose ist die
häufigste Form überhaupt, da es an „knochenfreundlichem“ Östrogen mangelt. Die
einfachste und preiswerteste Lösung und Prävention wäre, mit der frühzeitigen
Hormonersatztherapie (HRT) den Knochenabbau zu stoppen, unter Beachtung der
individuellen Risiken und Kontraindikationen. Im Arzt-Patientinnen-Gespräch kann
das Für und Wider abgeklärt werden.
Ursache für nicht
hormonmangelbedingte Osteoporose liegt in der Jugend
Es ist ein hartnäckiger Irrglaube, dass die Osteoporose eine Alterskrankheit
sei, weil sie erst in reifen Jahren auftritt. Bis zum 25. Lebensjahr wird die
maximal mögliche Knochenmasse durch kalziumreiche Ernährung und regelmäßige
Bewegung im Freien in der Kindheit und Jugend aufgebaut. Insbesondere während
der vorpubertären Entwicklung erhält der Haltungsapparat durch Sport und
Bewegung den höchsten bleibenden Gewinn. Das heißt unter guten Bedingungen baut
der Körper bis zu 24% mehr an maximaler Knochendichte auf. Hernach kann durch
Laufen, Schwimmen, Krafttraining und Ballspiele die Knochendichte erhalten oder
der Abbau hinausgezögert werden. Seit Jahren herrscht der Schlankheitswahn bei
jungen Mädchen und nimmt mittlerweile immer strengere Formen an. 18% der
11jährigen haben bereits eine Diät hinter sich. Bei den 14jährigen sind es schon
42%. 80% der Jugendlichen glauben, dass Beliebtheit mit Gewicht zusammenhängt.
Bei der Magersucht hat sich in den vergangenen Jahren die Altersgrenze
bedrohlich nach unten verschoben. Es sind nicht selten Mädchen im
Grundschulalter betroffen, die dem Beispiel ihrer Mütter nacheifern. Dazu
erklärt Andreas Schnebel, Leiter der Beratungsstelle für Essstörungen „Anad“:
„Vor 20 Jahren gab es weniger essgestörte Mütter als heute“. Bei weitgehendem
Verzicht auf Milchprodukte, weil sie Fett enthalten und regelmäßige sportliche
Betätigung im Freien nicht mehr unbedingt zum Alltag gehört, fällt der normale
Knochenaufbau eher mäßig aus und das bedeutet: Osteoporose ist ursächlich eine
Kinder- und Jugendkrankheit und dies wirkt sich kritisch aus, wenn mit etwa 40
Jahren langsam Knochensubstanz abgebaut wird.
Die Vernachlässigung von
Kalzium und Vitamin D
Die Osteoporose-Prävention liegt im eigenen
Verantwortungsbereich. Eine Ernährung mit Milchprodukten wie Quark, Joghurt,
Käse oder zwei bis drei Gläsern Milch am Tag sowie dem Genuss von
mineralhaltigem Wasser sollte die geringe Kalziumaufnahme bei vorwiegendem
Verzehr von Weißmehl- und phosphorhaltigen Fertigprodukten sowie zuckersüßen
Limonaden ablösen. Mit 1600 mg Kalzium pro Tag sind Frauen nach der Menopause
auf der sicheren Seite. Sie profitieren von der zusätzlichen Kalziumaufnahme in
Verbindung mit dem „Sonnenvitamin“ D. Da Kalzium als Knochenbaustein ohne
Vitamin D nicht seine volle Wirkung entfalten kann, ist der Aufenthalt im Freien
notwendig, um Provitamin D3 unter Einwirkung von UV-Licht in der Haut zu bilden.
Dies wird später in Leber und Niere zu Vitamin D umgebaut. Da viele Menschen
sich nicht täglich draußen bewegen, kann dies zu einer Vitamin D-Unterversorgung
führen und es ist hilfreich, eine Nahrungsergänzung von Kalzium im Verbund mit
400 IE Vitamin D einzunehmen.
Mit Schwung gegen
Osteoporose
Ein hervorragendes Mittel, der Osteoporose aktiv zu begegnen, ist sportliche
Betätigung und Bewegung im Freien. Täglich 20-30 Minuten Laufen, Walken,
Radfahren und zügiges Spazierengehen sind ein Faustpfand gegen raschen
Knochenabbau und einer Verbesserung der Lebensqualität bis in die reiferen
Jahre.
Die Ärztinnen und Ärzte des
Berufsverbandes der Frauenärzte sind kompetente Ansprechpartner in der Vorsorge
und Therapie der Osteoporose.
Maria-E. Lange-Ernst